Pressemitteilung 16.10.2012

Pres­se­mit­tei­lung zu der Haus­be­set­zung am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de und An­kün­di­gung einer So­li­da­ri­täts­de­mons­tra­ti­on.

An­kün­di­gung:
Als Re­ak­ti­on auf die Räu­mung des be­setz­ten Ge­län­des um die Un­ruh-​Spe­di­ti­on am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de, wird für Sams­tag 20.​10.​2012 zu einer De­mons­tra­ti­on in der Bre­mer Neu­stadt auf­ge­ru­fen. Die De­mons­tra­ti­on star­tet um 14 Uhr beim Thea­ter am Leipnitz­platz und wird nicht an­ge­mel­det.

Pres­se­mit­tei­lung:
Bei der Be­set­zung der Unruh Spe­di­ti­on und dem um­lie­gen­den Areal am Frei­tag den 12.​10.​12 ging es von An­fang an nicht in ers­ter Linie um das Schaf­fen eines kon­kre­ten, nutz­ba­ren Rau­mes für wi­der­stän­di­ge Struk­tu­ren. Es ging darum, einen po­li­ti­schen Kon­flikt um die Ver­tei­lung von Ei­gen­tum und den damit ver­bun­de­nen Un­gleich­hei­ten öf­fent­lich sicht­bar zu ma­chen.

Wenn Lu­xus­woh­nun­gen in der Über­see­stadt ge­baut wer­den, Miet­prei­se stei­gen, jede freie Flä­che in der Stadt mög­lichst pro­fi­ta­bel ver­wer­tet wird und dem ge­gen­über ein aku­ter Woh­nungs­man­gel, ge­ra­de an be­zahl­ba­rem Wohn­raum, steht, gibt es keine Al­ter­na­ti­ve zu der un­mit­tel­ba­ren An­eig­nung von Räu­men, Häu­sern und Plät­zen.
Es geht nicht nur darum, Frei­räu­me zu schaf­fen, in denen es mög­lich ist sich ab­seits der ge­sell­schaft­li­chen Spiel­re­geln vor der Rea­li­tät zu ver­ste­cken ­ das Be­set­zen von Häu­sern ist ein Akt der Selbst­er­mäch­ti­gung. Es ist uns für ca. fünf Stun­den ge­lun­gen, das ge­sam­te Areal der Kon­trol­le der Staats­macht zu ent­zie­hen. Erst Was­ser­wer­fer, Räum­pan­zer und SEK Be­am­te konn­ten die Ak­ti­on be­en­den. Un­se­re Ent­schei­dung, Mi­li­tanz als Mit­tel gegen eine be­vor­ste­hen­de Räu­mung ein­zu­set­zen, hatte einen nicht un­er­heb­li­chen An­teil an die­sem Er­folg. Die letz­te Haus­be­set­zung in Bre­men liegt zehn Jahre zu­rück, wir konn­ten die Re­ak­ti­on der Bul­len dem­ent­spre­chend nicht ein­schät­zen. Den­noch sind wir davon aus­ge­gan­gen, dass wir ge­räumt wer­den. Die Dul­dung von un­kon­trol­lier­ba­ren Orten passt weder in das Kon­zept der eta­blier­ten Par­tei­en, noch in die herr­schen­de Ord­nung an sich.
Die mi­li­tan­te Aus­ein­an­der­set­zung ist somit als Aus­druck un­se­rer Un­ver­söhn­lich­keit mit den po­li­ti­schen Ver­hält­nis­sen zu ver­ste­hen.
Wir möch­ten an die­ser Stel­le dar­auf hin­wei­sen, dass die Dar­stel­lung der Po­li­zei­pres­se, dass Züge von an­lie­gen­den Dä­chern mit Stei­nen be­wor­fen wur­den, falsch ist. Wäh­rend der Ak­ti­on wur­den zu kei­nem Zeit­punkt Un­be­tei­lig­te ge­fähr­det. Die Stei­ne, die auf Bahn­glei­se ge­flo­gen sind, rich­te­ten sich gegen dort po­si­tio­nier­te Bul­len. Der Zug­ver­kehr war zu die­sem Zeit­punkt be­reits ge­sperrt. Au­ßer­dem müs­sen wir auch der Dar­stel­lung der Me­di­en wi­der­spre­chen, dass 100 Leute ran­da­lie­rend durch Bre­men ge­zo­gen seien. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen be­schränk­ten sich räum­lich auf das Ge­län­de zwi­schen der Hoch­stra­ße und den Bahn­glei­sen. Nach­dem die Zu­gän­ge zu dem Ge­län­de durch die Bul­len ge­sperrt wur­den, ver­such­ten ca. 100 Per­so­nen sich in klei­nen und grö­ße­ren Grup­pen Zu­gang zu ver­schaf­fen um die Be­set­zer_In­nen zu un­ter­stüt­zen.
Das re­pres­si­ve Vor­ge­hen der Bul­len führ­te zu ins­ge­samt 51 In­ge­wahrs­am­nah­men. Ver­haf­tun­gen gab es nach un­se­rem Kennt­nis­stand nicht. Alle fest­ge­setz­ten Per­so­nen sind spä­tes­tens am Sams­tag Mor­gen frei­ge­las­sen wor­den. Neben den ins­ge­samt 36 Per­so­nen auf dem Ge­län­de um die Unruh Spe­di­ti­on, sind wei­te­re Per­so­nen bei dem Ver­such zum oder vom Ge­län­de zu kom­men, sowie in der nä­he­ren Um­ge­bung der Be­set­zung, in Ge­wahr­sam ge­nom­men wor­den. Die Vor­wür­fe gehen von Land­frie­dens­bruch, Wi­der­stand gegen die Voll­stre­ckungs­be­am­ten bis Ge­fan­ge­nen­be­frei­ung. In der Nähe der Aral Tank­stel­le sind zwei Per­so­nen fast von Bul­len in Zivil an­ge­fah­ren wor­den. Die Be­trof­fe­nen wur­den dar­auf­hin in Ge­wahr­sam ge­nom­men und eben­falls meh­re­re Stun­den fest­ge­hal­ten. Nach Au­gen­zeu­g_in­nen­be­rich­ten von Pas­san­t_In­nen wur­den ihnen dabei Tüten über den Kopf ge­zo­gen. Des­wei­te­ren wurde zahl­rei­che Platz­ver­wei­se aus­ge­spro­chen, unter an­de­rem vor der Po­li­zei­ka­ser­ne in der Vahr.
Au­to­no­me Grup­pen