Der EA Bre­men und die Rote Hilfe OG Bre­men in­for­mie­ren:

Am Frei­tag, den 12.​10.​2012 wur­den im Zuge einer Haus­be­set­zung in der Bre­mer Neu­stadt ei­ni­ge Leute in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Nach ei­ge­nen An­ga­ben lei­te­te die Po­li­zei 16 Er­mitt­lungs­ver­fah­ren wegen ver­schie­dens­ter De­lik­te ein.

Wir möch­ten noch ein­mal, es kann gar nicht oft genug sein, auf ein paar Ba­sics im Um­gang mit Re­pres­sio­nen hin­wei­sen.
Wich­tig ist, dass es sich hier­bei nur um eine Art „Erste Rechts­hil­fe“ han­delt – eine ei­ge­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit Re­pres­sio­nen und z.B. den hin­ter die­sen Ba­sics ste­hen­den Grün­den kann da­durch nicht er­setzt wer­den!

Um den Re­pres­si­ons­or­ga­nen des Staa­tes kei­nen Ein­blick in die ei­ge­nen Struk­tu­ren zu ge­wäh­ren und sich selbst und an­de­re vor Re­pres­si­on zu schüt­zen, gilt in der Lin­ken seit lan­ger Zeit das »Anna, Ayse und Ar­thur hal­ten’s Maul«-​Prin­zip. Seit ei­ni­gen Jah­ren aber neh­men wir zur Kennt­nis, dass viele Men­schen bei der Po­li­zei Aus­sa­gen ma­chen, um ent­we­der ihre ei­ge­ne ›Un­schuld‹ zu be­wei­sen oder weil sie ein­ge­schüch­tert sind. Auch bei der Staats­an­walt­schaft wird ge­re­det, vor Ge­rich­ten wer­den Zeu­g_in­nen­aus­sa­gen ge­macht. Doch auch nach lo­ka­len Ak­tio­nen gegen Na­zi­auf­mär­sche, Bil­dungs­re­form o. ä. sehen sich An­ti-​Re­pres­si­ons­grup­pen immer häu­fi­ger damit kon­fron­tiert, dass zu dem Zeit­punkt, an dem je­mand zur Be­ra­tung kommt, der_­die Be­trof­fe­ne sich be­reits zur Sache ein­ge­las­sen und Aus­sa­gen ge­macht hat. Dann ist das Kind quasi schon in den Brun­nen ge­fal­len.
Es gibt keine ›harm­lo­sen‹ Aus­sa­gen! Jede Äu­ße­rung hilft der Po­li­zei bei ihren Er­mitt­lun­gen, ent­we­der gegen dich oder gegen an­de­re. Schein­bar ›ent­las­ten­de‹ Aus­sa­gen kön­nen ent­we­der an­de­re be­las­ten, oder der Po­li­zei Tipps geben, nach wei­te­ren Be­wei­sen gegen dich zu su­chen oder sie zu er­fin­den.

Des­halb: Bei Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft kon­se­quen­te Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung!

Grund­sätz­lich emp­fiehlt es sich, mit Po­li­zei­be­am­t_in­nen nur das aller not­wen­digs­te zu reden (Ver­lan­gen nach An­walts­te­le­fo­nat, Toi­let­ten­gang etc.) bzw. am bes­ten ein­fach durch­gän­gig zu schwei­gen. Es emp­fiehlt sich drin­gend, jeden Kon­takt auf eine aus­schließ­lich for­ma­le Ebene zu zie­hen, das heißt z.B. sich nicht duzen zu las­sen und die Be­am­tIn­nen zu sie­zen. Der Po­li­zei ge­gen­über be­steht le­dig­lich die Ver­pflich­tung, »An­ga­ben zur Per­son« zu ma­chen. Das sind:

Name, ggf. Ge­burts­na­me
Adres­se
Fa­mi­li­en­stand (z.B. »ledig«)
Staats­an­ge­hö­rig­keit
all­ge­mei­ne Be­rufs­be­zeich­nung (z.B. »An­ge­stell­te_r«, »Stu­den­t_in«).
Du hast das Recht auf der Wache ein er­folg­rei­ches Te­le­fon­ge­spräch zu füh­ren!

In­for­mie­re Men­schen dei­nes Ver­trau­ens oder den Er­mitt­lungs­aus­schuss (EA) von dei­ner Fest­nah­me, damit du Kon­takt zu zu­ver­läs­si­gen An­wäl­tIn­nen be­kommst. Nach einer Fest­nah­me hast du das Recht, die Grün­de zu er­fah­ren – die Be­hör­den sind ver­pflich­tet, dir den Tat­vor­wurf be­kannt zu­ge­ben.
Gebe Wi­der­spruch gegen die Fest­nah­me zu Pro­to­koll, aber un­ter­schrei­be nichts!

Er­mitt­lun­gen gegen Be­schul­dig­te/ An­ge­klag­te
Wirst du von der Po­li­zei vor­ge­la­den, bist du nicht ver­pflich­tet zu er­schei­nen, zur Staats­an­walt­schaft und zum Er­mitt­lungs­rich­ter_in­nen (und na­tür­lich ggf. zu dei­nem ei­ge­nen Pro­zess­ter­min) musst du er­schei­nen, aber nichts sagen.

Vor­la­dun­gen
Oft Wo­chen oder Mo­na­te nach­dem du dich an einer Ak­ti­on oder Demo be­tei­ligt hast, manch­mal aber auch völ­lig ohne of­fen­sicht­li­chen Zu­sam­men­hang, kann es vor­kom­men, dass Post von den Po­li­zis­tIn­nen oder der Staats­an­walt­schaft im Brief­kas­ten liegt. Hier­bei kann es sich um ganz un­ter­schied­li­che Schrift­stü­cke han­deln, die auch eine un­ter­schied­li­che Re­ak­ti­on er­for­dern:

Es kann ein po­li­zei­li­cher An­hö­rungs­bo­gen sein (muss nicht aus­ge­füllt wer­den), eine po­li­zei­li­che Vor­la­dung als Zeu­gIn oder als Be­schul­dig­te_r (sorg­fäl­tig lesen, aber nicht hin­ge­hen), ein Straf­be­fehl (Be­ach­te: For­mal­ju­ris­ti­sche Fris­ten lau­fen ab Datum der pos­ta­li­schen Zu­stel­lung – auch wenn du im Ur­laub bist! Recht­zei­tig Ein­spruch ein­le­gen!) oder aber auch nur ein Buß­geld­be­scheid (Frist be­ach­ten und Wi­der­spruch ein­le­gen!).
Manch­mal rufen die Er­mitt­lungs­be­hör­den aber auch zu Hause an.
Egal wel­ches Schrei­ben dir zu­geht, es ist wich­tig, nicht in Panik zu ver­fal­len und sich nicht ein­schüch­tern zu las­sen. Zu­nächst soll­te früh­zei­tig (!) das Ge­spräch mit der Roten Hilfe e.V., dem ört­li­chen EA, einer an­de­ren An­ti-​Re­pres­si­ons­grup­pe oder An­wäl­t_in­nen mit lin­kem Back­ground ge­sucht wer­den.

So­li­da­ri­tät muss or­ga­ni­siert wer­den!

Rote Hilfe e.V.
Orts­grup­pe Bre­men
Post­fach 11 04 47
Per Mail: bre­men[ät]ro­te-​hil­fe.​de [PGP auf An­fra­ge!]
Im Netz: bremen.​rote-​hil­fe.​de

EA Bre­men
c/o In­fo­la­den Bre­men
St. Pau­lis­tr. 10-12
28203 Bre­men
Per Mail: ea­bre­men[ät]nadir.​org [PGP nut­zen!]